Brautag: Holundergose

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Sonntag der 22.4. stand ganz im Zeichen der Gose. Als Taufpate seiner Großnichte wollte mein Arbeitskollege auch den Eltern des Kindes eine Freude mit einem selbst gebrauten Bier machen. Begonnen hatte das Ganze mit der nicht ganz alltäglichen Frage des Kollegen, ob es denn auch Bier mit Salz gäbe. Was ich klar mit “Ja, eine Gose” beantworten konnte.

Was ist eine Gose?

Die Gose ist ein Bier, das aus der Gegend im Harz um das Städtchen Goslar stammt und nach dem gleichnamigen Fluss benannt ist. Charakteristisch ist, diesem Bier Salz und Koriander zuzugeben und neben der obergärigen Hefegärung auch eine bakterielle Milchsäuregärung durchzuführen.

Warum Salz?

Das Patenkind des Kollegen wohnt in einer Gegend, in der Salz abgebaut wurde und er kam an einige Brocken des Minerals aus dieser Gegend und somit war sein Wunsch geboren: Salz musste ins Bier.

Salzzugabe
Salzzugabe

In ein paar Gesprächen davor planten wir den Brautag und überlegten, wie das “Taufbier” schmecken sollte: Spritzig sollte es sein, sommerlich, fruchtige Aromen und erfrischend, alles Eigenschaften, die der Gose nachgesagt werden. Wir wollten ihr noch mit Limettenblättern und Holunderblüten frühlingshaft spritzig-duftige Aromen einhauchen.

Und los geht es

Sonntagmorgen, neun Uhr begannen wir mit einer kurzen “Lagebesprechung” und klärten ab, wie der Tag verlaufen sollte. Bereits um 10.00 konnten wir einmaischen. Gebraut wurde im Infusionsverfahren. Für unsere Malzschüttung verwendeten wir Weizen-, Pilsner-, Münchner- und Sauermalz. Bei den Rasten und der Malzmenge achteten wir darauf, dass das Bier später doch eher schlank und alkoholarm werden sollte. Bei den Hopfensorten entschieden wir uns für den Northern Brewer mit 7,3% α-Säure als Bitterhopfen. Aromatisieren wollten wir mit Holunderblüten, und den Hopfensorten Mühlviertler Perle (8,3% α) und Mandarina Bavaria (9,8% α). Bei der Menge des Hopfens wollten wir uns zurückhalten, damit einerseits der Charakter der Gose gewahrt blieb, andererseits, das Holunderaroma nicht überlagert werden würde.

Die Stammwürze, die wir schließlich erreichten, war 9,0⁰ Plato. Mit einer Altbier-Trockenhefe von Gozdawa starteten wir die Hauptgärung der Würze nach der Kühlung auf ca 21⁰ C.

Zum Abfüllzeitpunkt nach gut einer Woche Gärung war der Restextrakt bei 2,9⁰ Plato und damit errechnete ich einen Alkoholgehalt von 3,1% vol, die mir ein wenig zu gering waren, aber für eine sommerliche Gose absolut ausreichend sind.

Das Ergebnis

Holundergose
Das Ergebnis

Unterm Strich bekamen wir fast 10 Liter von der Gose, die wir nach der Flaschengärung und einer dreiwöchigen Reifezeit (also vermutlich ein wenig zu früh) verkosteten: Sie war, im Vergleich zu anderen ihrer Art, ein wenig dunkler geraten, trotzdem sie in einem hell strahlenden Gelb mit leichten Orangetönen im Glas leuchtete; farblich, ganz klar der Sommer im Glas. Der Schaum war feinporig/cremig, und halbwegs stabil. Im Duft waren die Holunderblüten leicht spürbar, dezente Zitrusnoten und eine leicht herbe Säure waren erkennbar, alle Düfte aber sehr zurückhaltend und ausgewogen. Die Lust auf den ersten Schluck war aber definitiv geweckt. Beim Antrunk bestätigten sich meine Geruchswahrnehmungen, die Holunderblüten kamen nun ein wenig mehr zur Geltung. Schlanker Körper, erfrischende Säure, kurzer Abgang und leider für mein Empfinden zu wenig spritzig. Vermutlich hätten wir bei der Speisezugabe ruhig noch ein wenig drauflegen können … aber beim nächsten Mal achten wir darauf, versprochen!

Verkostete Gosen

Während des Brauens (und vor allem während der Rasten) kosteten wir auch diverse Gosen, um geschmackliche Anhaltspunkte zu bekommen.

Unsere Referenzbiere an diesem Tag waren:
Lemon-Thyme” und “Tiger Berry” von Next Level Brewing
Grenzgänger” Hibiskus-Gose von Stiegl
Snake Charmer” Smoked Gose von Bevog

Alle vier für sich würde ich jederzeit wieder trinken. Trotzdem kristallisierte sich der “Snake Charmer” als mein Favorit heraus: Das kleine Tüpfelchen auf dem I war für mich das verwendete Rauchmalz, das der Gose in Kombination mit den verwendeten Gewürzen und Zutaten ein ganz besonderes Aroma verlieh.

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