Marktbier aus dem Naherholungsgebiet

Der Sommer und der Südbahnhofmarkt, das sind zwei Dinge, die für mich einfach zusammen gehören: An einem Freitag Vormittag im üblichen Markttreiben zwischen den Ständen schlendern, gustieren, frisches Gemüse für den bevorstehenden Grillabend kaufen, das bunte Gewirr der verschiedensten Menschen von einem der Marktcafés aus beobachten … und, seit Kurzem, auch ein direkt am Markt gebrautes Bier genießen. Denn seit Ende November 2017 sind die Pforten der Marktbrauerei Linz geöffnet und bieten Bierenthusiast*innen allerei Hopfig-Malziges.

Genau der richtige Zeitpunkt für mich dieser kleinen Braustätte an einem meiner Linzer Lieblingsorte einen Besuch abzustatten. Ich treffe David Schobesberger, den Inhaber der Brauerei, an einem Freitag Nachmittag. Mittlerweile ist Ruhe am Markt nach dem hektischen Vormittagstreiben eingekehrt, die Wege werden gereinigt, Stühle und Tische verstaut, in den Schanigärten sitzen noch vereinzelt Menschen, so auch auf den Tischen vor der Marktbrauerei: Eine Runde hat sich eingefunden, um bei zünftiger Jause das frisch gezapfte Bier zu verkosten. Auf der Taplist der Brauerei befinden sich neben dem Hellen Marktbier, das Mandarina Weizen, ein American Amber Ale, das IPA “Hoppy Friday” und ein Gastbier – zur Zeit meines Besuches von der Bierschmiede in Steinbach am Attersee die Rotglut. In den Flaschen gibt es noch ein paar Bierchen mehr vom Bierschmied zu erstehen.

David empfängt mich sehr herzlich, und erzählt mir über die Brauerei und ihre Entstehung: Sie wollten etwas schaffen, das zum Markt und seinem Flair passt, denn irgendwie scheint hier die Zeit ein wenig stehen geblieben zu sein, meint David und erzählt mir von den alten Markthändlern, die hier schon seit Jahren ihre Waren anbieten. Oder von einem seiner Stammgäste, der den Südbahnhofmarkt als sein persönliches Naherholungsgebiet bezeichnet hat – ich kann dem nur aus vollem Herzen zustimmen, denn hier im Zentrum von Linz, kann man sich wirklich Urlaub vom Alltag nehmen.

Angefangen hat David, vom Grundberuf her Geograph, schon in der Schulzeit mit seinen ersten Brauversuchen, unter anderem mit Brotbier. Doch in den letzten acht Jahren entwickelte er sich, laut eigener Aussage, zunehmend zum “seriösen” Brauer, probierte, perfektionierte und verwarf auch mal seine Rezepte. Denn das Wichtigste für David ist, dass der Geschmack trotz der kleinen Anlage beständig gleichbleibend ist. Gebraut wird fast nur hier am Markt auf einer kleinen Brauanlage mit einer Ausschlagmenge von 250 Litern. Nur manchmal weicht David noch in die befreundete Labu-Schaubrauanlage in Ottensheim aus. Dort wird auch abgefüllt, weil dafür ist hier in Linz der Platz zu knapp. Auch Brauworkshops und Verkostungen bietet er mittlerweile am Markt an, beides findet in der urbanen Bierszene großen Anklang.

Zwischendurch geht der Verkostungsrunde mal der Speck bei der Jause aus. David entschuldigt sich kurz, läuft zu einem gegenüberliegenden Stand – einer Fleischhauerei – und wenig später erscheint die Betreiberin mit frisch Aufgeschnittenem: So erfrischend unkompliziert kann Nahversorgung sein.

Wir führen unser Gespräch fort: Am besten verkauft sich in seiner Brauerei das Helle Marktbier. Für David ohnehin das wichtigste Bier in seinem Sortiment, denn hier zeigt sich, ob der in Österreich beliebteste Bierstil auch mit anderen Hellen mithalten kann – und seines tut das auf jeden Fall. Er sieht in seiner Tätigkeit auch einen Bildungsauftrag, indem er traditionelle Biertrinker mit seinem Hellen “abholt” um ihnen dann auch mal etwas “Spezielleres” zu empfehlen. Und gerade das “Hoppy Friday” hat schon eine stetig wachsende Fangemeinde: Marktbesucher*innen, die dieses angenehm trinkbare nicht zu extreme IPA als ihr Lieblingsbier auserkoren haben und schon die kleinste Veränderung in der Hopfung oder der Rezenz bemerken würden, kommen wöchentlich an seinen Marktstand auf ein Glaserl. Das Angebot an Bieren richtet sich auch nach den Jahreszeiten: so befindet sich zur Zeit (vier Wochen nach meinem Gespräch mit David) ein Holunderblüten-Ale auf der Taplist der Marktbrauerei, im Herbst wird es dann ein Dunkles geben. Ganz oben auf Davids Brauplan für die nächste Zeit steht auch ein Pils. Doch wie ich den Braumeister der Marktbrauerei erlebt habe, könnte ihm durchaus noch der eine oder andere kreative Einfall “dazwischen kommen” und darauf bin ich schon gespannt.

Die Zukunftspläne für die Marktbrauerei finde ich auch sehr sympathisch: nicht wachsen um jeden Preis steht im Vordergrund, sondern einfach mal Fuß fassen, sich etablieren und den Leuten hier vor Ort ein beständiges interessantes Sortiment anzubieten ist David ganz wichtig. Darum gibt es die Biere der Marktbrauerei auch nur direkt vor Ort zu kaufen und wenn mal etwas ausgeht, dann müssen sich die Kunden gedulden, bis das Bier fertig ausgereift ist. Handarbeit und Qualität brauchen eben Zeit.

Langsam wird es Zeit zu gehen. Über Linz zieht ein Gewitter auf und die Verkostungsrunde bringt sich im kleinen, knapp 35 m² Brauraum in Sicherheit und setzt dort ihre Degustation fort. Barhocker werden zurechtgerückt und auch ein paar Passant*innen kommen nun herein um ein frisch Gezapftes zu probieren. Ich verabschiede mich von David, damit ich noch vor dem Unwetter nach Hause komme, aber ich werde sicher wieder kommen, denn der Südbahnhof und vor allem die Marktbrauerei sind auch – und ich hoffe Davids Stammgast ist mir nicht böse, dass ich mich an seinem Vergleich bediene – zu einem meiner Naherholungsgebiete geworden.

Wer nun auch Lust auf ein wenig Naherholung bekommen hat, kann ja mal bei David und seiner Marktbrauerei vorbeischauen. Vielleicht sogar am 13. und 14. Juli, da findet “Bier und Grillen am Markt” statt, direkt bei der Brauerei.

Die Marktbrauerei, Marktplatz 4b, A-4020 Linz
http://www.marktbrauerei.at/

Öffnungszeiten:
DI, 09:30 – 17:00 Uhr
MI, 09:30 – 17:00 Uhr
DO, 09:30 – 20:00 Uhr
FR, 09:30 – 20:00 Uhr
SA, 09:00 – 13:00 Uhr

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Siegfried Schinko sagt:

    Habe am Samstag alle Biere der Marktbrauerei probiert und festgestellt, dass sie ausnahmslos hervorragend schmecken. 🍺🍻🍺

    Gefällt 1 Person

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