Bierige Geschmacksexplosionen

Geschmacksexplosionen sind derzeit – im wahrsten Sinn des Wortes – in aller Munde. Daher drängte sich mir die Frage auf, was denn so eine Geschmacksexplosion ausmacht?

Wikipedia gibt in diesem Fall leider auch nichts her, daher versuche ich mal meine eigene Deffinition:

Besonders esssentiell bei einer Geschmacksexplosion ist für mich der so genannte “Aha-Effekt”. Dieser stellt sich ein, wenn meine Geschmacksnerven ein Aha-Erlebnis haben, also von neuen Geschmackseindrücken unverhofft überrascht werden.

Aber ist das schon eine Geschmacksexplosion? Ich glaube nicht …

Dann versuch ich es anders: Du wirst von einem Geschmack extrem positiv überrascht, rechnest nicht damit, stellst aber dann doch fest “interessant” (im positiven Sinne) oder gar “wow” (im ganz positiven Sinne).
Das könnte dann die Explosion sein.

Mit unserem Geschmackssinn unterscheiden wir die fünf Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter und umami (was mit „fleischig“, „würzig“ oder „wohlschmeckend“ beschrieben werden kann).

Die Geschmacksrichtung „bitter“ ist, hopfenbedingt, bei vielen Bieren (ausreichend) abgedeckt und sorgt gerade bei einigen hopfenlastigen IPAs nicht selten für explosive Stimmung im Mund. Manchmal kann das aber auch zu viel des Guten sein, da andere Komponenten von solchen „Hopfenbomben“ völlig überdeckt werden.
Daher ist es wohl eher sinnvoll, das Hauptaugenmerk auf die vier anderen Geschmackskomponenten zu richten.
Auch das könnte natürlich zum Aha- bzw. Wow-Effekt führen, indem das Bier einen Geschmack hat, mit dem niemand rechnet.

Nun, nach dieser – beinahe schon wissenschaftlichen – Festlegung versuche ich mich den Geschmacksexplosionen im bierigen Sinn zu nähern. Oder anders formuliert: Welche Biere lösten bei mir diesen berühmten Wow-Effekt aus?

So kann es sein, und das kommt bei mir wirklich häufig vor, das der Duft eines Bieres diesen Wow-Effekt hervorruft … leider bleibt dann aber das Geschmackserlebnis hinter den Erwartungen, den der Duft geweckt hatte, weit zurück. Also auch nur ein sehr überschaubares Geschmackserlebnis.

Daher muss schon die Ballance zwischenden Duft-Erwartungen und den Geschmacks-Erfüllungen auch stimmen, sonst ists zu wenig mit dem “Aha” (oder gar “Wow”).

Trotzdem (oder: zum Glück) bleiben da dann doch noch ein paar Biere übrig, bei denen sowohl der Duft, als auch der Geschmack ein “Aha” bis “Wow” auf der ganzen Linie ausgelöst haben (diese Auflistung ist natürlich mehr als unvollständig und kann sich jederzeit verändern):

Xocoveza von Stone Brewing:

Ein Imperial Mokka-Stout mit 8,1% vol und gewürzt mit Kakao, Kaffee, Vanille, Chili, Zimt und Muskatnuss. Passt aber eher in die Winterzeit, aber da ist es wirklich der ideale Begleiter für kalte gemütliche Winterabende.
www.stonebrewing.com/beer/stone-seasonals/stone-xocoveza

Full Scottish Breakfast von den Syndicate Brewers:

ist für mich wirklich die gelungene Vereinigung von Whisky und Ale. Hier hält der Geschmack, was schon der Duft verspricht. Wichtig ist hier nur, dass das Ale nicht zu kalt genossen wird, sonst kommt das Aroma nicht ausreichend zur Geltung.
http://www.syndicatebrewers.at/de/portfolio-view/scottishale/

Elvis Juice von BrewDog:

Ein gut gehopftes IPA – alleine schon das Potpourri an Hopfensorten lässt vieles erwarten – mit Grapefruitschalen aromatisiert ist es eine bunte Palette von Zitrusaromen und Bitternoten, die die Geschmacksnerven auf Trab halten.
https://www.brewdog.com/item/1176/BrewDog/Elvis-Juice-Cans.html

Überseehopfen von der Rügener Insel Brauerei:

absolut überraschend, weil einfach auch untypisch im Vergleich zu vielen anderen IPAs, die dann doch in den meisten Fällen mit Zitrusnoten reüssieren (war eine Zeit lang fast ein Modetrend). Bei diesem India Pale Ale verhält es sich meiner Meinung nach ganz anders, denn der Sorachi Ace Hopfen kommt nicht nur exotisch-fruchtig, sondern auch ein bisschen grasig und leicht harzig und mit Kokosaroma zur Geltung.
https://insel-brauerei.de/wp-content/uploads/2018/03/Sommelier-Beschreibung_UEBERSEEHOPFEN.pdf

Frida von Bevog:

Eine wirklich prickelnd erfrischende Berliner Weisse mit roten Johannisbeeren und Passionsfrucht verfeinert. Auf der Dose als „Berliner Reise“ bezeichnet, trifft das den Nagel auf den Kopf: Die Geschmacksknospen begeben sich auf eine Reise, ob das nun „nur“ Berlin sein muss, sei dahin gestellt, und fahren einmal um den Erdball und zurück, vorbei an exotischen Stränden, über sonnenbeschienene bewaldete Hügel und schneeglitzernde Berggipfel. Ein Sommerbier durch und durch, aber leider nur eine limitierte Edition für Bevogs “Who cares for Beer”-Festival 2017.
https://bevog.at/beer/who-cares/frida/

Wild Affairs von Zwettler:

ein im Chardonnayfass gereiftes Sanjana-IPA, das nur mehr schwer mit Bier assoziiert werden kann. Sherry- und Chardonnaynoten, wilde Beeren, markante Säure, aber trotzdem die Bitternoten des IPAs, die zum Vorschein kommen. Hier trifft Geschmacksfeuerwerk eher die Empfindungen, denn jeder Schluck förderte wieder neue Nuancen dieses Bieres zu Tage. Auch dieses edele Tröpfchen ist nur mehr sehr schwer und zu ziemlich hohen preisen erhältlich, aber trotz alledem absolut empfehlenswert.
http://www.zwettler.at/
https://www.falstaff.at/nd/craft-beer-aus-zwettl-holzfassgereiftes-ipa/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s